Sensation – geheimes Feature in iOS 9.3.1: CMYK auf iPad und iPhone

Sensation – geheimes Feature in iOS 9.3: CMYK jetzt auch auf iPad und iPhone

Ich spiele ja sonst nicht „Bild-Zeitung“ und Sensation ist schon sehr hoch gegriffen. Aber wenn ein (bisher fehlendes) Feature, dass mich seit dem ersten iPad nervt, jetzt klammheimlich und kommentarlos von Apple geliefert wird, dann ist das schon was. Wenn dieses heimliche Feature dann von Apple-Newsseiten und Fachpresse bis heute unkommentiert bleibt, dann kann mich das schon mal die halbe Nacht wach halten, mit selber testen, vergleichen und tippen.

Vorher/Nacher in iOS 9.3.1 werden CMYK PDF und Bilder jetzt korrekt angezeigt (linke Seite) © 2016 MacGenie.de

Vorher/nachher in iOS 9.3.1 werden CMYK PDF und Bilder jetzt. endlich  – wie von Mac OS X gewohnt – korrekt angezeigt (linke Seite)

Neu: überarbeitete Kurzfassung des Artikels für Eilige…

Bisher konnten weder iPad noch iPhone CMYK*

Wenn ihr testen wollt, ob euer System/Gerät CMYK schon korrekt anzeigen kannCMYK-RGB-Test.pdf

Da ich beruflich, wie privat viel mit Drucksachen (von Offset-Druckereien nicht aus dem PC-Drucker) zu tun habe entsteht auf meinem iPad – seit dem iPad 2 – der ein oder andere Flyer oder Plakat als Entwurf. Als universelles Format hat sich hier PDF „Portable Document Format“ durchgesetzt. Aber iOS kann im Gegensatz zum „Großen Bruder“ OS-X mit PDFs in CMYK-Druckfarben nichts sinnvolles anfangen. Sieht man sich solch eine PDF-Datei auf dem iPad an, wirken die Farben extrem grell und „falsch“. Die Farbwerte werden unter iOS 1:1 von CMYK nach RGB umgerechnet, ohne die Andersartigkeit der Grundfarben und die Helligkeitsabnahme zu berücksichtigen. So wird aus dem eher kräftigen gedeckten Cyan-Mittelblau die leuchtend grelle Mischung aus blauem und grünem Licht.

Bei OS X ist dagegen seit mehr als einem Jahrzehnt serienmäßig eine Art „CMYK-Druckfarbensimulation“ integriert, das ist ein Farbprofil, das intern die CMYK-Druckfarben auf RGB-Bildschirmfarben umrechnet. Auf dem Mac braucht man seit über 12 Jahren kein spezielles Programm, um Drucksachen einigermaßen richtig anzeigen zu lassen. Man braucht dafür auch als Programmierer keine besonderen Fähigkeiten. OS X erledigt das. So kann ein Mac mit der serienmäßigen Vorschau-App oder Safari Drucksachen (für Laien ausreichend) farbrichtig anzeigen. Wenn ich bisher Bilder, Logos oder Grafiken, die im CMYK-Format erstellt wurden, in ein iPad Dokument einbaute erfolgte die Anzeige im grell-gruseligen Neon-Look. Das betrifft nicht nur Grafiker sondern auch jenen Anwender, der die PDF eines gedruckten Artikels, eines Prospektes oder einer Bedienungsanleitung lädt, sofern diese im CMYK-Format erstellt wurde.

Ein Anbieter musste also die Druck-PDF, auf dem Mac/PC so für RGB Bildschirmanzeige umwandeln, dass sie auf Mobilgeräten korrekt angezeigt werden konnten. Aber nicht nur der Bildschirm war ein Problem, auch der Import in anderen Apps wie Pages oder Word. Dokumente, Fotos, Logos oder Grafiken die bereits im CMYK Format sind, kann ich auf dem iPad überhaupt nicht vernünftig weiter verwenden.

Auch Entwickler Betroffen

Da iOS anders als OS X bisher mit CMYK nicht umgehen konnte fehlte diese Funktion auch in nahezu allen Grafik-Apps (einzige mir bekannte Ausnahme war Adobe Acrobat). Das war dann oft auch der größte Funktionsunterschied/Haken an Apps wie Autodesk Graphics (früher iDraw) zu ihrer Mac-Version die CMYK konnte. Ein absolutes K.O. Argument für ein iPad Pro. Was nützt Pro Hardware bei einem Hobbybetriebsystem.

Jetzt mit iOS 9.3. gehen erstmals RGB-Farbprofile und CMYK Darstellung auf iPad und iPhone!

Aber seit iOS 9.3.1 (eigentlich schon seit dem kurzlebigen 9.3) ist das vorbei. Mehr zufällig sah ich mir CMYK Prospekte und Anzeigen auf dem iPad an, doch statt der üblichen grellen falschen Farben bekam ich auf Anhieb ein korrektes Bild. Für mich ein riesiger Fortschritt, der kein „One more Thing“ auf einer Keynote war und bisher auch von keinem Newsdienst gewürdigt wurde.

Wieso gerade jetzt mit iOS 9.3?

Ich vermute, dass die Überarbeitung der Bildschirmdarstellung ein Nebeneffekt des neuen iPad Pro 9.7 mit dem neuen »True Tone Display« ist. Dieses passt nicht nur den weißen Hintergrund des Bildschirms, sondern alle Farben auf dem iPad dem Umgebungslicht an. Damit wird simuliert, dass sich in der wirklichen Welt das Weiß eines Blatt Papiers auch, je nach Umgebungslicht, anders getönt wird. Der „Weißabgleich“ in unseren Augen/Hirn passt das wiederum an, so dass wir etwas weißes immer als weiß sehen, auch im schummrigen gelblichen Licht einer Kerze. Daneben wirkte die Darstellung auf dem iPad oft unnatürlich grell oder kühl. Das neue iPad passt die Darstellung jetzt dem Umgebungslicht an, so dass virtuelle Buch oder Dokument bei Kerzenlicht genauso aussieht, wie das echte Buch oder Papier, dass daneben liegt.

Um solches Systemweit zu leisten brauchte Apple vermutlich eine leistungsfähigere Quartz-Engine. Man musste sie nicht erfinden, da es sie auf OS X schon gab. Man musste nur das Vorhandene auf iOS übertragen.

Umgekehrt steht damit einem Macbook oder iMac mit Truetone Display nur noch wenig entgegen. Ich vermute (obwohl ich kein Aktien Analyst bin), dass uns von Apple ein solches Gerät bis 2017 ins Haus steht (oder auch endlich ein längst überfälliges Stand-Allode Thunderbolt 5K Retina Display mit dieser Technologie).

PS: Apropos  Bildschirmfarbe – Night-Shift – warme Farben gegen Schlaflosigkeit 

Übrigens gab es mit iOS 9.3 für alle 64 Bit iOS Geräte (iPad Air / iPhone 5S und neuer) den Nacht-Modus „Night-Shift“, bei dem das weiße iPad nachts gelblicher leuchtet, als tagsüber (weil blaues Licht angeblich wach hält), auch dafür waren Änderungen an der Bildschirmausgabe nötig. PS: bei mir zeigt das keine Wirkung, denn statt zu Schlafen habe ich heute Nacht diesen Artikel verfasst. 

Gute Nacht wünscht

Euer MacGenie.de


*Erklärung – Was ist CMYK – auf der nächsten Seite…

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